Drehbuchformatierung: was wirklich zählt
Ein Drehbuch liest sich anders als ein Roman: Man überfliegt es, um zu verstehen, was passiert, wo, mit wem und wie lange es auf der Leinwand dauern wird. Die Standardformatierung existiert, um dieses Lesen schnell und einheitlich zu machen – nicht, um die Seite zu schmücken.
Die Slugline sagt wo und wann, mehr nicht
Jede Szene beginnt mit einer Slugline – INT./EXT., der Ort, die Tageszeit –, die die lesende Person in drei Worten orientiert. Sie ist nicht der Platz für eine atmosphärische Beschreibung: Die kommt gleich danach, im Handlungsblock. Eine Slugline, die beides zugleich versucht, macht am Ende keins von beidem richtig gut.
Der Handlungsblock beschreibt nur, was man sieht oder hört
Anders als Prosa geht der Handlungsblock in einem Drehbuch nicht in die Köpfe der Figuren hinein: Er beschreibt nur, was eine Kamera einfangen oder ein Mikrofon aufnehmen könnte. „Marco denkt, es sei eine Falle" ist nicht filmbar; „Marco zögert auf der Schwelle, blickt zweimal zur Tür, bevor er eintritt" ist es. Das ist eine Disziplin, die man sich durch Umschreiben aneignet, nicht dadurch, dass man innere Gedanken von vornherein komplett vermeidet.
Figurennamen in Großbuchstaben dienen dem Set, nicht dem Vergnügungsleser
Der in Großbuchstaben über jeder Dialogzeile stehende Figurenname ist keine typografische Marotte: Er erlaubt Regie, Produktionsleitung und den Schauspielern, ihre eigenen Zeilen schnell zu finden und abzuschätzen, wie viele jede Figur in einer Szene hat. Es ist eines der Elemente, die Erstautorinnen und Erstautoren gern unterschätzen, weil sie es für ein rein ästhetisches Detail halten.
So wenig Regieanweisungen wie möglich, nicht so viele
Eine verbreitete Versuchung beim ersten Drehbuch ist es, Einstellungen, Kamerabewegungen und Schnittentscheidungen vorzuschreiben. In den meisten professionellen Kontexten gilt das als Fehler: Diese Entscheidungen liegen bei Regie und Kamera, und ein Drehbuch voller technischer Anweisungen vermittelt eher Unerfahrenheit als Kontrolle. Der Text soll die Geschichte erzählen, nicht den Film schon auf dem Papier inszenieren.
Das Standardformat existiert, weil sich die Laufzeit in Seiten misst
Das gesamte Formatierungssystem – Ränder, Zeilenabstand, Schriftart mit fester Laufweite – ist so kalibriert, dass eine Seite ungefähr einer Minute Leinwandzeit entspricht. Deshalb lohnt es sich nicht, die Ränder zu „justieren", um mehr Text auf eine Seite zu bekommen: Man verfälscht damit eine Schätzung, die Produzentinnen und Produzenten für Budget und Zeitplan verwenden.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich spezielle Software zur Drehbuchformatierung verwenden?
Der erste Entwurf muss nicht zwingend in einer automatischen Formatierungssoftware entstehen, aber bevor du ihn mit jemandem aus der Branche teilst, solltest du ihn ins Standardformat bringen: Genau das erwarten professionelle Lesende, und eine nicht konforme Formatierung riskiert, dass der Text aussortiert wird, bevor er überhaupt inhaltlich gelesen wurde.
Sind Kameraanweisungen immer falsch?
Nicht immer, aber sie sollten sparsam eingesetzt werden, und nur dann, wenn sie fürs Verständnis der Szene wirklich nötig sind, nicht aus Gewohnheit. Manche etablierten Drehbuchautorinnen und -autoren erlauben sie sich; wer gerade erst anfängt, lässt sie besser fast ganz weg.
Unterscheidet sich die Formatierung zwischen Film- und Serien-Drehbuch?
Die Grundkonventionen – Slugline, Handlung, Dialog – bleiben gleich, aber das Serienformat fügt Elemente wie nummerierte Szenenköpfe für die Produktion hinzu und folgt oft spezifischen Vorgaben des Senders oder der Plattform, für die geschrieben wird.