Plotten oder drauflosschreiben: welche Methode passt

· Roberto Sirolo · 3 Min. Lesezeit

Unter Romanautorinnen und -autoren taucht eine Unterscheidung immer wieder auf: auf der einen Seite die, die alles planen, bevor sie die erste Zeile schreiben, auf der anderen die, die sich mit einer Idee hinsetzen und die Geschichte beim Schreiben entdecken. Im Englischen heißen sie Plotter und Pantser, die „aus dem Bauch heraus“ schreiben. Beide Methoden haben großartige Bücher hervorgebracht, und die Debatte, welche besser ist, hat keine Antwort. Sie hat aber eine nützlichere Frage: Welche funktioniert für dich?

Schreiben mit Plan

Wer plant, bereitet zuerst eine Karte vor: die wichtigsten Wendepunkte, die Kapitelliste, manchmal jede Szene mit ihrem Zweck.

Stärken

  • Du weißt immer, was du schreiben sollst, wenn du dich hinsetzt, und die Blockade vor der leeren Seite wird kleiner;
  • die Struktur trägt: Wendungen sind vorbereitet, Fäden werden zusammengeführt;
  • die Überarbeitung ist meist leichter, weil die großen Probleme auf dem Papier gelöst werden.

Risiken

  • Die Geschichte kann mechanisch wirken, mit Figuren, die den Plan ausführen, statt zu leben;
  • manche verlieren nach dem vollständigen Planen die Lust, es zu schreiben: Sie haben die Geschichte schon „erlebt“;
  • man neigt dazu, die besten Ideen, die beim Schreiben kommen, aus Treue zum Plan zu überhören.

Schreiben ohne Plan

Wer drauflosschreibt, geht von einer Figur, einer Situation oder einem Bild aus und folgt der Geschichte, wohin sie führt.

Stärken

  • Figuren und Dialoge sind oft lebendiger und überraschender, weil sie auch die Schreibenden überraschen;
  • das Entdecken hält die Motivation hoch: Man schreibt auch, um zu erfahren, was passiert;
  • unerwartete Wendungen entstehen ganz natürlich.

Risiken

  • Man bleibt in der Mitte stecken, wenn der anfängliche Schwung verbraucht ist und man nicht weiß, wohin;
  • die Rohfassung braucht viel mehr Überarbeitung: Kapitel, die raus müssen, aufgegebene Handlungsstränge, Enden, die rückwärts vorbereitet werden müssen;
  • es ist leicht, monatelang zu schreiben, ohne je ans Ende zu kommen.

Der Mittelweg

In der Praxis kombinieren fast alle beides. Einige verbreitete Formen:

  • Zeltstangen: Man legt Anfang, Ende und zwei oder drei zentrale Wendungen fest und schreibt dazwischen frei;
  • der rollende Plan: Man plant nur die nächsten drei oder vier Kapitel und aktualisiert die Karte unterwegs;
  • erst schreiben, dann planen: Man schreibt den ersten Teil frei, um die Figuren kennenzulernen, und hält dann an, um eine Struktur für den Rest zu bauen;
  • der Plan nach der Rohfassung: Man schreibt frei und erstellt den Plan des fertigen Buches, um beim Überarbeiten zu sehen, was nicht trägt.

Wie du deine Methode findest

Ein paar Fragen helfen:

  • Bist du schon einmal mitten in einem Projekt stecken geblieben? Dann brauchst du wahrscheinlich mehr Planung.
  • Hast du das Interesse an einer Geschichte verloren, nachdem du sie komplett entworfen hattest? Dann plane weniger und lass Raum für Entdeckungen.
  • Macht dir das Bauen der Karte mehr Spaß oder das Erkunden? Freude ist ein guter Wegweiser: Eine Methode, die du hasst, hältst du nicht einen ganzen Roman lang durch.

Die Methode kann sich auch von Buch zu Buch ändern. Ein Krimi mit Hinweisen und falschen Fährten, die gelegt werden müssen, verlangt oft mehr Planung als ein leiser Roman.

In NovLore

Die Buchstruktur passt sich beiden Arbeitsweisen an: Du kannst die Liste der Teile und Kapitel vorab anlegen oder sie beim Schreiben einzeln hinzufügen und später per Ziehen neu ordnen. Die Karte des Buches ist nie festgelegt.

Häufig gestellte Fragen

Brauchen Drauflosschreiber trotzdem einen Plan?

Früher oder später ja, und sei es nur beim Überarbeiten. Die Struktur des fertigen Buches nachzuzeichnen, ist der schnellste Weg, offene Handlungsstränge, Wiederholungen und Kapitel ohne Funktion zu erkennen.

Muss man sich wortwörtlich an den Plan halten?

Nein. Er ist eine Karte, kein Vertrag. Kommt beim Schreiben eine bessere Idee, änderst du die Karte: Wichtig ist, sie zu aktualisieren, damit du siehst, was sich im Rest des Buches ändert.

Wie detailliert sollte ein Plan sein?

So detailliert, dass du nicht stecken bleibst. Manchen reichen fünf Zeilen für das ganze Buch, andere wollen eine Karteikarte pro Szene. Nimmt dir der Plan die Lust am Schreiben, ist er zu detailliert.

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