Stilüberarbeitung und Korrektorat
Es sind die letzten beiden Durchgänge einer Überarbeitung in Ebenen, und sie müssen getrennt bleiben. Die Stilüberarbeitung verbessert, wie der Text klingt; das Korrektorat prüft, dass er fehlerfrei ist. Beides zusammen zu machen heißt, Tippfehler durchrutschen zu lassen, während man umschreibt, und umzuschreiben, während man nur Kommas jagen sollte.
Stilüberarbeitung: worauf du schaust
Die Stilüberarbeitung arbeitet am Satz, einem nach dem anderen, wenn Struktur und Szenen bereits stehen. Wonach du suchst:
- Schwache Verben. "War" und "es gab" verstecken genauere Handlungen. "Auf dem Tisch lag ein Brief" bleibt gut; "Es gab einen Brief auf dem Tisch" → "Ein Brief wartete auf dem Tisch."
- Ungewollte Wiederholungen. Dasselbe wichtige Wort zweimal in drei Zeilen, derselbe Satzanfang vier Sätze hintereinander.
- Überflüssige Einschübe und Adverbien. "Sagte er wütend", wenn die Zeile schon wütend ist. "In gewissem Sinne", "im Grunde", "buchstäblich".
- Sätze alle gleich lang. Wechsle ab: ein langer, der fließt, ein kurzer, der trifft. Ein Absatz gleicher Sätze plättet den Rhythmus.
- Dialoge, die erklären. Sagt eine Figur Dinge, die die andere schon weiß, "zum Nutzen des Lesers", klingt der Dialog falsch.
- Wahrnehmungsfilter. "Sie sah, dass die Tür offen war" → "Die Tür war offen." Das "sah" schiebt den Leser aus der Szene.
Der Maßstab ist nicht "ist das gut geschrieben?", sondern "gibt es ein Wort, das nicht arbeitet?". Kann ein Wort weg, ohne dass etwas verlorengeht, kommt es weg.
Korrektorat: wonach du jagst
Das Korrektorat kommt danach, wenn du keinen Stil-Komma mehr ändern willst. Es jagt nur objektive Fehler:
- Tippfehler und ausgelassene Wörter;
- Zeichensetzung: Kommas zu viel oder fehlend, Gedankenstriche, geöffnete und nicht geschlossene Anführungszeichen;
- Eigennamen in zwei Schreibweisen ("Katharina" / "Catharina"), widersprüchliche Alter oder körperliche Details;
- uneinheitliche Groß-/Kleinschreibung, Kursivsatz und Dialogformatierung;
- doppelte Leerzeichen, falsche Zeilenumbrüche, Kapitelnummern außer der Reihe.
Es ist Arbeit der Aufmerksamkeit, nicht des Geschmacks. Mach sie ausgeruht und in kleinen Portionen: Nach einer Stunde sieht das Auge nichts mehr.
Techniken, die funktionieren
- Laut lesen. Der schnellste Weg, einen Satz zu hören, der nicht rundläuft, und ein ausgelassenes Wort zu fangen: Der Mund stolpert, wo das Auge gleitet.
- Das Aussehen des Textes ändern. Andere Schrift, anderer Hintergrund, Export als PDF oder auf den E-Reader. Das Gehirn erkennt den Text nicht mehr aus dem Gedächtnis.
- Rückwärts lesen, vom letzten Satz zum ersten, nur fürs Korrektorat: Das bricht den Sinn und lässt die Tippfehler hervortreten.
- Eine Liste wiederkehrender Fehler. Jeder hat seine eigenen: ein Tick, ein Stützwort, ein falscher Akzent. Führe die Liste und mach eine gezielte Suche.
Die Reihenfolge ist alles
Zieh die Stilüberarbeitung nicht vor die strukturelle Überarbeitung: Du würdest Sätze in Szenen polieren, die du später streichst. Und zieh das Korrektorat nicht vor die Stilüberarbeitung: Du würdest die Zeichensetzung von Sätzen korrigieren, die du gleich umschreibst. Jeder Durchgang bereitet den nächsten vor; sie zu tauschen verdoppelt die Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der praktische Unterschied zwischen Stilüberarbeitung und "echtem" Lektorat?
Das strukturelle (oder inhaltliche) Lektorat betrifft Geschichte, Figuren und Tempo auf Kapitelebene. Die Stilüberarbeitung betrifft den einzelnen Satz: Stil, Klang, Präzision. Das Erste kann dich ein Kapitel verschieben lassen; die Zweite höchstens einen Absatz umschreiben.
Brauche ich ein professionelles Korrektorat?
Fürs Selfpublishing ja, wenn du es dir leisten kannst: Nach Monaten am Text siehst du deine eigenen Fehler nicht mehr. Bei einem Verlag übernimmt das Haus das Korrektorat. In beiden Fällen senkt ein bereits sauberer Text bei der Fahne Kosten und Zeit.
Wie oft soll ich auf Tippfehler durchlesen?
Mindestens zwei gezielte Durchgänge, Tage auseinander, plus das laute Lesen. Ein Rest an Fehlern bleibt fast immer: Das ist normal, und dafür gibt es den Beruf. Ziel ist, sie zu verringern, nicht sie allein auf null zu bringen.
Reicht die Rechtschreibprüfung?
Sie findet Tippfehler, die Nichtwörter ergeben, nicht die, die echte Wörter ergeben ("das" statt "dass", "in" statt "ihn"). Und sie weiß nichts über Konsistenz zwischen Kapiteln. Sie ist ein erster Filter, nicht der letzte.
Kann ich die erste Fassung schon beim Schreiben stilüberarbeiten?
Das ist der schnellste Weg, das Buch nie zu beenden. Die Stilüberarbeitung gehört ans Ende, wenn die Struktur steht; früher poliert man Teile, die verschwinden könnten. Stört dich beim Schreiben ein Satz, markiere ihn und geh weiter.