Wiederholungen: wann vermeiden, wann nutzen
In der Schule haben wir gelernt, dass Wiederholungen ein Fehler sind: Dasselbe Wort zweimal in einem Satz muss durch ein Synonym ersetzt werden. Für einen Aufsatz ist das ein guter Rat, für einen Roman weniger. In der Erzählkunst sind manche Wiederholungen tatsächlich Schwächen, andere gehören zu den wirksamsten Mitteln, um einer Seite Rhythmus und Kraft zu geben. Die Arbeit besteht darin, sie zu unterscheiden.
Die ungewollte Wiederholung
Sie entsteht aus Unaufmerksamkeit: Dasselbe Wort kehrt ohne Grund wenige Zeilen später wieder.
Er öffnete die Tür und sah hinaus. Draußen herrschte eine seltsame Stille. Er sah zur Straße.
Die Leser registrieren sie nicht als Wirkung, sondern als Nachlässigkeit. Selbst wenn sie es nicht bewusst bemerken, empfinden sie die Prosa als weniger flüssig.
Am häufigsten betrifft das allgemeine Verben (machen, gehen, sehen, scheinen), Zeitadverbien (dann, plötzlich) und Lieblingswörter, die jeder Autor verwendet, ohne es zu merken.
Die gewollte Wiederholung
Das ist die, die die Leser als absichtlich wahrnehmen und die eine Wirkung erzeugt:
Sie wartete eine Stunde. Sie wartete zwei Stunden. Sie wartete, bis das Licht seine Farbe änderte.
Hier lässt die Wiederholung die vergehende Zeit besser spüren als jede Beschreibung. Weitere Einsatzmöglichkeiten:
- Nachdruck: ein Schlüsselwort wiederholen, um es einzuprägen;
- Rhythmus: einen fast musikalischen Takt aufbauen;
- Echo: Kapitel später einen Satz oder ein Bild aufgreifen, um zwei Momente zu verbinden;
- Stimme: Eine Figur, die immer dieselben Wendungen benutzt, wird dadurch charakterisiert.
Das Kriterium: Wirkung oder Versehen
Die Frage ist einfach: Nehmen die Leser sie als Wirkung oder als Ablenkung wahr? Eine gewollte Wiederholung ist meist auffällig, gebaut, an eine bestimmte Stelle gesetzt. Die ungewollte ist zufällig, verstreut und bringt nichts.
Die Synonymfalle
Das Schulrezept, durch ein Synonym zu ersetzen, schafft oft ein größeres Problem. Heißt eine Figur „Markus“, dann „der Junge“, dann „der junge Mann“, dann „der Blonde“, fragen sich die Leser, ob es verschiedene Personen sind. Die Redebegleitsätze sind das bekannteste Beispiel: sagte, erwiderte, entgegnete, verkündete, äußerte fallen viel mehr auf als ein wiederholtes sagte.
Manche Wörter sind nahezu unsichtbar und dürfen frei wiederholt werden: die Namen der Figuren, sagte, Artikel und Präpositionen. Leser nehmen sie nicht als Wiederholung wahr.
Wie du eingreifst
Statt nach einem Synonym zu suchen, versuche zuerst:
- den Satz umzuformulieren, damit das Wort nicht mehr nötig ist;
- zu streichen: Oft war das zweite Vorkommen überflüssig;
- ein Pronomen zu verwenden, wenn es keine Mehrdeutigkeit schafft;
- die Konstruktion zu ändern, indem du zwei Sätze zu einem verbindest.
Nur wenn nichts davon funktioniert, such ein Synonym, sofern es genau und natürlich ist.
Wie du sie findest
Ungewollte Wiederholungen rutschen beim Schreiben durch, weil man dem Sinn folgt und nicht den Wörtern. Leichter fallen sie beim lauten Lesen auf oder beim Wiederlesen in einem anderen Format. Eine Prüfung, die nah beieinanderstehende Wortwiederholungen markiert, hilft beim Finden, aber die Entscheidung, sie zu behalten, bleibt deine.
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Abstand wird eine Wiederholung zum Problem?
Es gibt kein festes Maß. Es hängt vom Wort ab: Ein seltener oder sehr markanter Begriff fällt auch eine Seite später auf, ein gewöhnliches Wort nur im selben oder im nächsten Satz.
Muss man Wiederholungen im Dialog korrigieren?
Weniger als in der Erzählung. Echte Menschen wiederholen sich beim Sprechen, und ein zu glatt geschliffener Dialog klingt künstlich. Wichtig ist, dass die Wiederholung zur Figur und zum Moment passt.
Darf ich ganze Sätze mit Abstand wiederholen?
Ja, und das ist eine wirkungsvolle Technik: Ein Satz, der an einer Schlüsselstelle wiederkehrt, führt die Leser an den Anfang zurück und erzeugt ein Gefühl von Abschluss. Das funktioniert ein- oder zweimal, nicht als Gewohnheit.